Ungarischer Ziviler Ehrenorden, 2012

Die Auszeichnung Ungarischer Ziviler Ehrenorden wurde zum ersten Mal am 10. Februar 2012 in Budapest im Haus KOGART an zwei verdiente Personen vergeben, an József Szarvas, einen Arzt aus Székesfehérvár und an Emil Pásztor, den hochgelehrten Professor für Sprachwissenschaft der Hochschule für Lehrerbildung in Eger.

dr. József Szarvas

Dr. Szarvas hat im September 2009 in einem Straßengraben neben der Landstraße am Plattensee mit seinem Taschenmesser und einem ausgeliehenen Kugelschreiber einen von ihm früher noch nie praktizierten Luftröhrenschnitt durchgeführt und damit das Leben eines Motorradfahrers gerettet, der durch einen Wespenstich ein Kehlkopfödem bekommen hatte. Ohne den Eingriff wäre er in wenigen Minuten gestorben.

Professor Pásztor hatte die Idee für die Schaffung des Museums der Ungarischen Sprache 1994 anlässlich der Sitzung der Kazinczy-Gesellschaft in Sátoraljaújhely aufgeworfen, und dann unermüdlich dazu beigetragen, diese weltweit allein stehende Institution zu realisieren. Er durfte die Vollendung des Museums in Széphalom 2008 nicht mehr erleben. Beide Personen haben bedeutende Taten von Symbolcharakter gesetzt. Die eine war die Rettung eines Menschenlebens, die andere die Rettung der schwindenden Werte der ungarischen geistigen Kultur.

Der Ungarischer Ziviler Ehrenorden

Doch auch das gegenständliche Erscheinungsbild der Auszeichnung ist symbolträchtig: die schöne Bronzemedaille ist das Werk des Bildhauers und Medailleurs György Kiss, eines Munkácsy-Preisträgers. Die Medaille trägt auf der einen Seite nach Hilfe heischende Hände zwischen anderen beschützenden Händen, auf der anderen Seite steht der Name der ausgezeichneten Person und das Jahr der Verleihung. Auch die in Leder gebundene Urkunde mit Hängesiegel und die goldgefasste feueremaillierte Anstecknadel haben einen symbolischen Wert, sie werden von Imre Molnár und Gábor Miticzky, beide Künstler ihres Faches, angefertigt. Edle Materialien für noble Zwecke. Sie verkörpern symbolhaft die Freiheit der Initiative von materiellen Werten, denn die Künstler haben für ihre Arbeit keine Gegenleistung angenommen.

Im Hause KOGART, das sich als wunderbarer Gastgeber erwiesen hatte, wurde die Festlichkeit der Verleihung durch das Programm der Harfenkünstlerin Csilla Gulyás und zweier ihrer jungen Schülerinnen sowie durch den Gesangsvortrag der Opernsängerin Ildikó Iván noch gesteigert. Alle Künstlerinnen traten alle unentgeltlich auf.

Gábor Görgey, László Bitó, Csaba Kuthi

Nach den einleitenden Worten des Gastgebers Gábor Kovács hielt der Philosoph Gábor Karsai, der Direktor des World Servers Foundation eine Festrede, sodann würdigte der Schriftsteller Gábor Görgey die Bedeutung des Kreises Ars Humanica Hungarica und des Ungarischen Zivilen Ehrenordens und er verlieh dem Wunsch Ausdruck, dass die EHRE endlich zu Ehren kommen möge. Der Dichter Zoltán Sumonyi hielt einen kurzen Vortrag über die Batthyánys, mit dem Titel: Batthyány, das Ewige Licht.

Der Literaturhistoriker Béla Pomogáts sprach über die Werte der Gesellschaft, er legte dar, dass das Wesentliche der Zivilgesellschaft darin besteht, dass „ein Zivilist keine Uniform trägt, sich unter keine parteipolitischen Fahnen stellt, dass er ein freier und unabhängiger Mensch bleibt. Das ist zugleich Bedingung und Legitimation des bürgerlichen Daseins.“

Der Publizist Dr. Imre Del Medico übermittelte uns zu dieser Gelegenheit die folgende Botschaft: „In unserem Land, das in der östlichen Hälfte Mitteleuropas liegt, haben die zivilen Organisationen, die NGOs, weniger Ansehen als weiter westlich. Dabei stellen sie unabdingbare Faktoren für die Existenz, Entwicklung und Erfüllung der Demokratie dar. Metaphorisch gesagt sind sie die Hefe im Brotteig der Demokratie. Gibt es ihrer zu wenige oder fehlen sie ganz, geht das Brot nicht auf, es wird zuweilen sogar ungenießbar.“

Am Abend der Verleihung waren etwa 150 illustre Vertreter des ungarischen geistigen und künstlerischen Lebens anwesend. Über die Veranstaltung berichteten die Fernsehnachrichten und auch die Zeitungen mehrfach.