Ungarischer Ziviler Ehrenorden, 2013

Der Kreis Ars Humanica Hungarica hat am 10. Februar dieses Jahres zum zweiten Mal die Auszeichnug des Ungarischen Zivilen Ehrenordens im Gesellschaftskreis zu Óbuda an verdienstvolle Personen verliehen, deren Taten die allerhöchsten humanen Tugenden bezeugten.

Einer der Ausgezeichneten war (posthum) der Violinvirtuose Sándor Fehér, der inmitten der allgemeinen Panik am Bord des im Januar des Vorjahres gekenterten Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia die Kinder rettete und dabei sein Leben verlor.

Paul Gulda

Die zweite Auszeichnung ging an einen burgendändischen zivilen Verein, den Verein RE.F.U.G.I.U.S. (Rechnitzer Flüchtlings Und Gedenkinitiative Und Stiftung). Dieser spontan gebildete Verein übernahm - statt uns Ungarn - die traurige Aufgabe, den ungefähr zweihundert jüdischen, zum Arbeitsdienst gezwungenen Mitbürgern ein Denkmal zu stellen, die von den Ballgästen der Gräfin Batthyány, Margit Thyssen-Bornemisza und den Einwohnern des Ortes in der Nacht des 24. März 1945 ermordet wurden. Die Leichname wurden an einem bis heute unbekannten Ort verscharrt, ohne ihnen die jedem Menschen zustehende letzte Ehre zu erweisen. Der Verein forscht auch jetzt nach dem unbezeichneten Massengrab, ohne jegliche Hilfe von Seiten der ungarischen Regierung.

Nach der feierlichen Eröffnungsrede sprach Gábor Görgey über die in der Zivilgesellschaft heutzutage dahinschwindende Rolle des Humanen und der Rechtschaffenheit, dann folgte ein kurzer Vortrag von Zoltán Sumonyi über die Batthyánys. Er berichtete über ein Gespräch Boldizsár Batthyánys (1538-1590) mit seinem Hofprediger Pál Túri-Farkas, der die aus den Niederlanden angesiedelten Händler (Juden) und die habanischen Töpfer (Wiedertäufer) Häretiker nannte, die den Untergang der einzig wahren Kirche verursachen würden. Batthyány sagte: "Mögen sie gedeihen, wenn es ihnen gegeben ist!" Ein für das 16. Jahrhundert wahrlich ungewöhnlich liberales Verhalten.

Gábor Iványi würdigte die Auszeichnung Sándor Fehérs, indem er das wertvollste Opfer des Humanen, die individuelle Selbstaufopferung hervorhob. Seitens der Familie Sándor Fehérs sprach sein Bruder Róbert Fehér die Dankesworte, wobei er dem Wunsch Ausdruck gab, in Hinkunft mögen möglichst viele Auszeichnungen statt posthum an Lebende vergeben werden.

Ildikó Iván

Die Tätigkeit des Vereines RE.F.U.G.I.U.S. wurde von Szabolcs Szita gewürdigt, der die in den letzten Kriegstagen entfesselte Unmenschlichkeit, die entlang unserer westlichen Grenze in Rechnitz, Kőszeg und auch anderswo zu Massenmorden führte, als Historiker skizzierte. Der Vorsitzende Paul Gulda bedankte sich und berichtete über die bisherige Tätigkeit des Vereins und über die weiteren Pläne.

Zum Abschluss sprach Gábor Vadász über seine familiären Bindungen an das Massaker von Rechnitz und erzählte über seine eigenen Erfahrungen im Zuge der Anstrengungen, die letzte Ruhestätte seines Vaters und seines Zwillingsbruders aufzufinden, und über den kalten Hass und die Zurückweisung, die ihn und seine Mutter noch in den siebziger Jahren in Rechnitz empfangen hätten.

Dieselben Künstler, die die Symbole der Auszeichnung im letzten Jahre angefertigt hatten, taten das auch in diesem Jahr in gewohnt selbstloser Weise.

Auf die Reden folgte eine musikalische Darbietung, die Opernsängerin Ildikó Iván sang zur Klavierbegleitung von Paul Gulda zwei Lieder, Debussy: Nuit d’étoiles und Richard Strauss: Wie sollten wir…, sodann spielte Paul Gulda das Klavierstück Funérailles von Liszt, das er 1849 zum Angedenken an Lajos Batthyány komponierte.

An der Verleihung und dem anschließenden Empfang nahmen etwa hundert illustre Vertreter des ungarischen geistigen und künstlerischen Lebens teil.

Über die Feier berichteten Print- und elektronische Medien (siehe Medien).