Ungarischer Ziviler Ehrenorden, 2016

 

Der Kreis Ars Humanica Hungarica, der von Wissenschaftlern, religiösen Würdenträgern, Künstlern und Kunstliebhabern gebildet wird, übergab am 7. Februar 2016 im festlichen Rahmen zum fünften Mal die Auszeichnungen des im Jahre 2011 gegründeten Ungarischen Zivilen Ehrenordens an die für würdig befundenen Personen im Festsaal des Petőfi Literaturmuseums in Budapest.

Hier versammelte sich symbolisch die ungarische Zivilgesellschaft in der Erkenntnis, dass die Säulen der Infrastruktur unseres zivilen Lebens, unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens krachen, bröckeln, gar wegbrechen. Eben diese Zivilgesellschaft erkannte, dass nicht nur dessen materielle Fassungen bröckeln, sondern deren viel wichtigere und wertvollere humane Elemente von der Auslöschung bedroht sind. Aus diesem Grund erachtet die ungarische Zivilgesellschaft ihr Engagement für besonders wichtig, die Personen bekannt zu machen und zu ehren, die, ihre eigenen in ihnen festgesetzten Ängste überwindend, diesem Bruch, diesem Verderben, in ihrem Leid eine menschliche Stimme verliehen.

In seiner Eröffnungsrede brachte der Schriftsteller Gábor Görgey seine Hoffnung zum Ausdruck, dass mitten des uns umgebenden Schunds der Wert der reinen Moral verstärkt wird und zum Grundstein von dem Ungarn wird, an dessen Werden wir alle glauben.

Der Dichter Zoltán Sumonyi gedachte in seiner Rede Lajos Batthyánys, des ersten Ministerpräsidenten der unabhängigen ungarischen Regierung, der als Märtyrer gilt, und stellte eine interessante Parallele zwischen Batthyány und Árpád Göncz, dem vor kurzem verstorbenen Präsidenten, her: beide wurden am 10. Februar geboren und verstarben am 6. Oktober.

Das anwesende, etwa hundert Gäste umfassende Publikum konnte den schönen Vortrag des Literaturhistorikers Béla Pomogáts über die dichotomen Züge des Zivilstandes, die durch philosophische Normen bestimmt werden, hören, über die realen, aber gleichzeitig scheinbaren Widersprüche, die durch parallel auftretende Verhaltensmuster verdeutlicht werden, wie Freiheit und Verantwortung, Bildung und originelle Denkweise, persönliche Unabhängigkeit und Verpflichtung. Diese Gegensätze dürfen einander nicht auslöschen, sondern müssen einander stärken; sie sind einander ergänzende Werte, die nebeneinander im menschlichen Denken existieren müssen, wie es auch die großen Persönlichkeiten der ungarischen Geschichte realisierten.

Eine Auszeichnung erhielt Imre Morvay (Pater Pio), Ordensvorsteher des Ordo Hospitalarius in Pécs, für seine Tätigkeit, Armut zu bekämpfen, von der in Ungarn immer mehr Menschen betroffen sind. Die Würdigung wurde vom Bischof der Diözese Vác, Miklós Beer, durchgeführt, der auf den Übergang des Themenjahres vom Jahr des geweihten Lebens zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit hinwies. An diesem Begegnungspunkt verbeugen wir uns vor Pater Pios Tätigkeiten, der eine einfache Lösung für die Ausübung der Barmherzigkeit angewandt hat: man muss denjenigen Hilfe leisten, die am falschen Ort, zur falschen Zeit geboren wurden.

Pater Pio zitierte in seiner Antwort Mutter Teresa: „Wenn du nicht allen helfen kannst, hilf dem einen, der neben dir steht.“

Die zweite Auszeichnung durfte Mária Sándor, „die Schwester in Schwarz“ übernehmen, als Anerkennung für ihren beständigen und erfolgreichen Einsatz für die Interessen der im ungarischen Gesundheitssystem beschäftigten und gepflegten Personen. Gewürdigt wurde sie von Péter Jákó, Oberarzt an der Landessportklinik, der die Bedeutsamkeit der Arbeit der Krankschwestern hervorhob und ihre Zivilcourage lobte, die die Existenzangst besiegte.

Mária Sándor räumte in ihrer Antwort dem unterstützenden Kollegium eine große Bedeutung ein, wobei viele von ihnen an diesem Festtag erschienen sind.

Die Preisträger erhielten jeweils ein Gemälde vom jungen Künstlerpaar Márton Győri – Nóra Soós als Geschenk.

Zum Ende der festlichen Veranstaltung folgte ein buntes musikalisches Programm in der Darbietung von Ildikó Iván, Sängerin an der Ungarischen Staatsoper (Querflöte, Gesang), ihrer Schülerin Borbála Szuromi (Violine, Gesang), begleitet von Zsolt Tassonyi am Klavier.

 

Aus dem Ungarischen von Zita Ragoncza