Ungarischer Ziviler Ehrenorden, 2020

Der Ungarische Zivile Ehrenorden 2020

 

Der Kreis Ars Humanica Hungarica registriert die kleinsten Regungen der ungarischen Zivilgesellschaft. Seine Mitglieder und Gründer sind Wissenschaftler, kirchliche Würdenträger, Künstler und Kunstmäzene, alle den edlen menschlichen Werten, dem Humanen verpflichtet. Sie versammelten sich am 9. Februar 2020 zum neunten Mal im Künstlerklub Fészek in Budapest, um den beiden Preisträgern ihre Anerkennung auszudrücken und die in moralischer Hinsicht wertvollsten Auszeichnungen der ungarischen Zivilgesellschaft zu überreichen.

An die 200 Intellektuelle aus Budapest nahmen an der Feier teil, die dem seit Jahren gewohnten Rhythmus folgte: Csaba Kuthi, der Schöpfer des Ungarischen Zivilen Ehrenordens eröffnete das Programm und gab einen kurzen Überblick. Er erwähnte außerdem die Dissonanz zum „Tag der Ehre“ vom Vortag, abgehalten im Budapester Stadtteil Városmajor (jene gewöhnliche Ehre, die gespenstisch an den Film Mihail Romms aus 1965 erinnert, mit dem Titel: Der gewöhnliche Faschismus), im Gegensatz zur „ungewöhnlichen“ Ehre des zivilen Ordens.

Anschließend sprach der Dichter Zoltán Sumonyi über die Bedeutung des Tages, der vor zehn Jahren mit Bedacht auf den Geburtstag des ersten unabhängigen ungarischen Ministerpräsidenten Lajos Batthyány gelegt wurde. Sein Leben verlief in den schicksalshaften Zeiten wie das des ersten, frei gewählten ungarischen Staatsoberhauptes Árpád Göncz.

Eine Auszeichnung, ein Diplom im tiefroten Samt, die gravierte Bronzemedaille und die feueremaillierte Anstecknadel gingen an den Kreis Stádium28 der Ungarischen Akademie der Wissenschaften für die Leistung, die der Soziologe György Csepeli, der Laudator, in seiner Publikation im kulturellen Journal Élet és Irodalom wie folgt beschrieb: „Die Ungarische Wissenschaftliche Gesellschaft wurde von ihrem Gründer als stärkstes Mittel zur Erweiterung der nationalen Vernunft erschaffen. Der Kreis Stádium28 entspricht dem Willen des Gründers in seinem Bestreben, den allgemeinen Verstand in möglichst breiter Weise zu entwickeln, da Verstand und Wissen den wichtigsten Urgrund bilden, aus dem die Liebe zur Nation, zur Heimat, zur hehren Gesinnung und bürgerlichen Tugenden, allumfassende Glückseligkeit und nationaler Ruhm entspringen. Die Auszeichnung des Ungarischen Zivilen Ehrenordens gebührt verdienterweise jenen, mit denen wir am heutigen Tage körperlich und geistig zusammen stehen und gemeinsam daran glauben, dass es ein ‚Anderes Ungarn‘ gibt, das nicht das ist, was es war, sondern das, was es sein kann.“

Júlia Kardos, Leiterin des Kreises, führte in ihrer Dankesrede aus „…im heutigen Europa sind Sinn und Bedeutung der grundlegenden Parolen aus der Französischen Revolution, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, immer wichtiger. Von allen dreien gibt es hierzulande immer weniger, am meisten ist uns aber die Brüderlichkeit abhandengekommen.“

Die andere Auszeichnung erhielt Zsolt Orosvári. Der Unternehmer humanistischer Gesinnung aus Sárbogárd, der in aufopfernder, unermüdlicher Tätigkeit über 400 Feldbetten für jenes Krankenhaus beschaffte, in dem Mütter und Väter, besorgt um ihre Kleinkinder, nächtlich nur auf dem Fußboden sitzend bei ihren kranken Kindern übernachten konnten. Darüber hinausgehend besorgte er für die in der sommerlichen Hitze leidenden Kinderabteilungen Klimaanlagen.

Gyula Kincses, Präsident der Ungarischen Ärztekammer, betonte in seiner Laudatio: „… zu den Aufgaben der Ärzte und des Gesundheitswesens gehört die Ausweitung des Heilbereiches mit den Mitteln, die in der Zivilcourage, im Mut und in der Tatkraft von Privatpersonen zu finden sind, das sind wichtige Faktoren des gesellschaftlichen Immunsystems, wir müssen das besonders hoch achten.“

Zsolt Orosvári sprach in seiner Dankesrede von seiner eigenen Gesundheit und seinen finanziellen Verhältnissen, die sich seit seiner Tätigkeit verschlechtert haben, und er führte aus: „Die Gesellschaft, die nicht fähig ist, für ihre Kinder, Älteren und Kranken zu sorgen, ist zum Untergang verurteilt.“

Danach sang Annamária Dálnoky, eine Studentin Ildikó Iváns, einer Solistin der Ungarischen Staatsoper, am Klavier begleitet von Gabriella Gyökér, Pianistin an der Musikakademie. Das Publikum genoss die Arie der Julia aus Gounods Romeo und Julia, danach die Cavatina Norinas aus Donizettis Don Pasquale.

Nach dem offiziellen Teil der Feier nahmen die Versammelten an einer traulichen, gleichsam sakralen Agape (mit Brot und Wein) teil.