Ungarischer Ziviler Ehrenorden, 2018

Der Kreis Ars Humanica Hungarica, ins Leben gerufen als geistige Gemeinschaft von Wissenschaftlern, kirchlichen Persönlichkeiten, Künstlern und Kunstliebhabern, hat heute zum siebenten Mal den von ihr gegründeten Ungarischen Zivilen Ehrenorden in Budapest, im Künstlerklub Fészek, verliehen. Verehrer der Empfänger füllten nicht bloß den Theaterraum dieses ikonischen Treffpunktes der ungarischen Kunstschaffenden und Intellektuellen, sondern auch noch einen benachbarten Saal.

Der Schriftsteller und Dichter Gábor Görgey sprach in seiner Eröffnungsrede über den „das Land überflutenden moralischen und politischen Schmutz“, der insbesondere jetzt, zur Zeit der Wahlkampagne, immer mehr fassbar wird. Der Literaturhistoriker Béla Pomogáts zeichnete ein deprimierendes Bild über den Zustand der ungarischen NGOs, er stellte fest, dass die heutige Regierung die Zivilpersonen und deren Organisationen, die die Gesellschaft verkörpern, kriminalisiert.

Der Dichter Zoltán Sumonyi sprach über die scheinbare Dichotomie zwischen Batthyányi und Göncz und über die Kongruenzen in der Laufbahn der beiden Staatsmänner, augenscheinlich schon durch ihr Geburts- und Todesdatum, er erläuterte zudem, warum die Auszeichnungen zu diesem Zeitpunkt übergeben werden.

Die beiden Ausgezeichneten des Jahres 2018 sind der Video-Historiker und Dokumentarfilmregisseur Ádám Csillag, Producer und Inhaber des Kossuth- und des Béla Balázs-Preises, und der Rechtswissenschaftler László Majtényi, Doktor der Akademie und Vorsitzender des Eötvös Károly-Institutes (Eötvös Károly Policy Institute EKINT).

Die Verdienste des über die Grenzen Ungarns hinaus bekannten Filmoperateurs Ádám Csillag wurden von Elemér Ragályi in seiner Laudation hervorgehoben, er ging auf die wichtigsten Stationen seiner Laufbahn ein und legte in Zusammenhang damit den Zustand der ungarischen Filmproduktion dar. Ádám Csillag bedankte sich in seiner Antwortrede für die Auszeichnung und sprach auch über die vielen konkreten und imaginierten, objektiven und subjektiven Hindernisse, die das Zustandekommen eines Films erschweren.

Die Meriten László Majtényis wurden vom Politologen László Kéri gewürdigt, wobei dieser  seine jahrzehntelange Freundschaft zum Rechtswissenschaftler aufzeigte. Für die heutigen politischen Umstände, die nach seiner Meinung die Zivilgesellschaft und deren Organisationen kriminalisierten, fand er harte Worte. Majtényi erwähnte in seiner Antwort die Missstände des neuen „Zivilgesetzes“, er verglich sie mit der Errichtung von Grenzzonen zur Zeit Mátyás Rákosis in der Stalin-Ära: Damals konnte für Zivilorganisationen bzw. Personen ein Annäherungsverbot von acht Kilometern an die Schiffsstation Vigadó-Platz inmitten Budapests ausgesprochen werden, da sie als Grenzübertrittstelle galt.

Nach der Übergabe der Auszeichnungen des Ungarischen Zivilen Ehrenordens bot Ildikó Iván, Solosopranistin des Opernhauses Bonn und des Ungarischen Staatlichen Opernhauses, gemeinsam mit ihren Studentinnen ein bemerkenswertes Konzert dar.

Die Teilnehmer am Empfang im Kuppelsaal des Künstlerklubs Fészek sammelten ihre Geldspenden in der „Büchse der Hilfe“. Die Summe wurde einhellig als Unterstützung der zivilen Arbeit Ádám Csillags gewidmet.